Wort und Bild
Vergessen

2024 - 30 x 26 cm - Collage/Mischtechnik auf Papier
Inspiration für folgenden Text von Günther Stampfl:
Vergessen I
Seit mehreren Tagen schon kam sie immer zur gleichen Zeit an der Stelle vorbei, wo ich die aufgehende Sonne und mit ihr einen neuen Tag zu begrüßen mir angewöhnt hatte.
Zuerst fiel sie mir durch ihr glänzendes, dichtes schwarzes Haar auf. Auf den ersten Blick sah es aus wie ein gut gepflegtes Gefieder. Ein seltsamer Kontrast zur hellen Haut.
Ich hatte den Eindruck, dass sie noch jung war, obwohl sie die gebeugte Haltung und den langsamen Gang einer alten Frau hatte.
Ich habe die Sonnenaufgänge nicht gezählt. Irgendwann nahm ich meinen Mut zusammen und rief ihr zu, sie solle sich doch über den neuen Tag freuen, das Leben ist zu kurz um es zu vergeuden. Sie blickte nicht auf, wandte sich nicht um. Jeden Tag blieb sie vor einem der großen Fenster stehen, sah sich die Bilder von fernen Gegenden an, wo immer die Sonne schien. Manchmal glaubte ich, eine der Landschaften zu erkennen. Dann eines Tages wandte sie sich doch um, sah mir direkt in die Augen. Die Andeutung eines Lächelns huschte über ihr Gesicht.
Verständnislos und irgendwie traurig. Sie verstand meine Sprache nicht, fühlte nur, dass ich es gut mit ihr meinte.
Ermutigt durch ihr Lächeln folgte ich ihr in sicherem Abstand. Sie ging in einen der großen Parks, in denen die Stadtmenschen an bestimmten Stellen Blumen und andere interessante Dinge ablegten. Sie holte ein Papier aus ihrer Tasche und faltete es auseinander. Es war ein großes Bild wie jene, die in dem Fenster zu sehen waren. Dazwischen ein kleineres Bild. Meine scharfen Augen erkannten einen jungen Mann und eine junge Frau – DIE junge Frau. Und zwei weitere kleine Papiere, mit Zeichen bedeckt, die selbst für meine Augen zu klein waren. G-L-A-N-D war das Einzige, was ich erkennen konnte. Der Sinn der Zeichen blieb mir verborgen
.
Ein paar Tropfen fielen auf das große Bild. Mehrere Flecken verrieten, dass es nicht die ersten waren. Ich begann zu verstehen. Auch ich hatte auf meiner Wanderung einen Gefährten verloren. Rasch entfernte ich mich. Was hätte ich sonst für sie tun können? Sie haben nicht dieselben Gewohnheiten wie wir, essen nicht dieselben Dinge…
Am nächsten Morgen drehte sie sich wieder zu mir um (und von da an jeden Tag). Sie sah mich an als würde sie in mir eine alte Bekannte erkennen. Und sie lächelte. Jeden Tag ein kleines bisschen mehr. Bis es Zeit war für mich, wieder auf die Reise zu gehen.
Vergiss den Schmerz. Freu dich, das Leben ist so kurz.
Kraah! Kraahhh!
Buchprojekt: Josef Hirschböck und Otón Pabst
Eine Auswahl von Illustrationen
zu Gedichten von Josef Hirschböck,
entstanden in den Jahren 1998 und 1999.

weg von dir
vor mir, die möven stürzen sich in himmelsschwere,
die sich kaum vom grün des wassers scheidet.
es war ein schöner tag.
er brachte warmes licht das mich umrauschte wie die gischt
die steine unter mir, viel tausend jahr.
ich sah segel, ich sah boote,
ich sah tausend kleine sonnen
vom salz der täler aufwärts zu wellenkronen tanzen
und ich sah dich, als ich in wachen stunden mich
in den grund des herzens träumte.

ina
zwischen weißen lilien
würde es sich gut machen -
ihr schwarzes haar,
es rieselt kalt und zittert.

des herzens unruh
milchgeschäumt steht mir kaffee zur seite.
und ein wasserglas, das funkelt.
nicht viel, um ein rasend herz zu zähmen.
kaum ein ort an diesem morgen,
an dem es in gedanken noch nicht war.
jemand geht vorbei, er hat wohl schmerzen,
so wie er seine wange hält.
würd er mit mir tauschen, wüßte er
was mich quält.
tabletten lindern nichts und nicht benzin,
das ich auf dem weg verbrenne
zu dem ort, an dem es raum und zeit nicht gibt.
ein junger unternehmer weiß nicht wohin
mit seinem sonderangebot
vom reihenhaus mit blick nach süden.
ich bestimmt, vielleicht auch er -
wir finden keinen frieden.

kalte wunde
der schnee hat alles bedeckt
und schöner war das weiß
mit den manchmal
zarten rots am morgen,
als mein herz mit nackter
erde frieren zu sehen.
er hat alles nur gedeckelt,
gemantelt, nichts verändert,
fürwahr: die mauern stehen
sprachlos und kalt, fürwahr,
hölderlin.
doch klingen schon
fremde länder,
warme wasser
in kleinen gefiedern
von jenseits der alpen:
heilt mein herz, ihr elemente,
ewig zeit hab ich nicht -
macht es weich und heiß und stark,
sonst klirrt mir der turm
und auf halbmast
die fahnen.

dezember wehen
seltsam ist mir zumut.
das leben kleidet sich
in gefrorenes gewand,
atmet rätsel
in die lahme welt,
schaut mich so seltsam an
und ich begreife,
verstehe aber nichts.
ferne visionen,
plötzlich im briefkasten,
hotlinemäßig lieferbar
in nur 48 stunden.
das leben nimmt
mich an der hand,
führt mich an ketten
in die freiheit,
einen unbekannten
garten voll vertrauter
lieder, die gevatter tod
mit kindern singt,
in dem alles liebe ist.
das leben schenkt mir
viel und nimmt mir
alle illusionen,
sät mir neue träume,
neue zeit und nimmt
mir alle stunden.
wo bin ich, was ist -
weiß alles, begreife nichts.

glimmerschiefer
durch der berge tannen schimmert
im atem der zeit ein glimmen
das den tag zum greise macht. er
zimmert im gehen seinen sarg
aus kaltem wind und lacht:
nichts was war wird sein.
küßt rot der berge stein
fällt in die nacht.

rote gauloises
vom tisch der liebe flogen all die früchte,
weggefegt von des lebens unerbittlichkeit:
küsse am bahnsteig fünf. orangen für den sonntag
gut gekühlte kinderschokolade, ein vertrautes atmen in der nacht.
das bad in einer königlichen seele. fragezeichen stecken dir im fleisch,
und ein großer hunger, der dir dein herz wegfrißt.
nirgendwo bleibt dir ein wenig ruhe.
nur ohnmacht wartet in jeder ecke deiner welt.
du schläfst jetzt auf der couch,
kannst dies eine zimmer nicht betreten.
dein blick verhängt in fremde weiblichkeiten,
rast dein körper endlos durch die nacht.
rotgebeulte coladosen rollen durch den bus.
der motor dröhnt, das fenster schließt nicht mehr.
jeder kilometer, gebet aus benzin und zigaretten.
dabei schreit dein herz, so tödlich klar in seiner absicht,
im wundbrand dieses hungers, den nur die eine stillen kann.

weiße kirsche
am wegesrand kein wanderer;
doch ein früher morgen
kennt die hoffnung wie kein anderer.
kirschbäume hie und da
ziehn sich die brautkleider an
und hoffen auf die gunst des lichts,
daß sich die verheißung erfüllen kann.
der morgen wird verstorben sein,
bevor sich blicke in die blütenpracht versenken
und an ein ende allen suchens denken,
wird all das vom frühlingswind vertrieben sein.
er kennt sein los und sorgt sich nicht.
Anlässlich der Feier 1250 Jahre Dorfen:

Die Ereignisse am 28. August 773
Übergabe des Ortes namens Dorfen durch Graman als "Sühnmittel" an Tassilo III unter der Aufsicht des Bischofs Arpio
O.P. fecit anno 2024
Im Besitz der Stadt Dorfen (Rathaus)
